Texte 2018

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Hans-Martin HILTNER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Hans-Martin HiltnerVerletzt

Fotocredit Juliane Hennenberg

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Verletzt

Ich werde verletzt.

Bei meiner Geburt, es war ein Sonntag, gab es zu wenig Ärzte. Die rufende Mutter wurde Stunden um Stunden vertröstet. Mein Gehirn wurde durch Sauerstoffknappheit und eine Hohe Zange verletzt.

Bereits davor wurde ich im Mutterleib durch Rötelnviren, mit welchen sich die Mutter als junge Ärztin bei Patienten unverschuldet angesteckte, verletzt.

Meine Eltern waren fürsorglich zu mir und meinen Geschwistern. Meine Schwester nahm mich in ihrer Schulzeit zu einer Schulveranstaltung mit. Wir beide wurden durch Häme verletzt.

Bildung durch eine Sonderschule wurde mir verwehrt, mein großes Interesse an der Welt fand keine Förderung. Das hat mich verletzt.

Ich lernte zu überleben, ich tobe nicht mehr, wenn ich die Welt nicht verstehe, ich bin 58 Jahre alt. Die Ärzte sagen, ich habe den Geist eines Vierjährigen, dabei kann ich gut kombinieren und weiß so viel. Diese Unwissenheit der Ärzte sollte mich nicht mehr verletzen, tut es aber.

Warum werden die Menschen mit Behinderung in Heimen zusammen gelegt? Das stresst und verletzt nicht nur mich, sondern auch die Betreuer.

An den Tagen, an denen ich aus der Einrichtung zu meiner Familie komme, habe ich zuerst noch diese Tabletten-Müdigkeit, bin erstarrt. Dann aber laufe ich mit großen Schritten. Bin fröhlich. Grüße alle laut und gebe vielen ein Bussi. Winke jungen Mädchen zu. Was, zur Hölle, sind Verletzungen?!

Abends dann in der Einrichtung kommt wieder Chemie über meine Füße, ich stolpere über sie und verletze mich. Ich sehe verschwommen, kann nicht lachen oder weinen, werde starr. Dabei habe ich das Leben und meine liebe Familie so lieb. Ich weiß, es kommen wieder die guten Tage, und auch wenn es Kraft kostet, werde ich immer wieder die Freude suchen.

Wie sagt Albert Schweizer: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. Unverletzt.

Kurzbiografie

Hans-Martin HILTNER wurde am 5. Mai 1960 als erstes von vier Kindern (das zweite verstarb im Alter von 6 Monaten am Plötzlichen Kindstod) von Dr. Regina und Dr. Gerhard Hiltner in Leipzig in Deutschland geboren. Papa und Mama waren Ärzte. Bei seiner Geburt kam es zur Sauerstoffknappheit. Davor hatte sich seine Mutter als junge Ärztin zu Beginn der Schwangerschaft, von der sie noch nichts wusste, bei einer Sprechstunde mit Röteln angesteckt.

Laudatio

Laudatio für Hans-Martin HILTNER

Sehr geehrte Damen und Herren!

Oft genügt ein erster Satz in einem Text, und schon weiß man als Leserin oder als Leser, dass man gefordert ist.
Man ist aufgefordert, konzentriert und aufmerksam bei den Worten zu bleiben. Da gibt es kein rasches, halbherziges Vorbeilesen.
So ein erster Satz sagt: Dieser Text will – Wort für Wort- wahrgenommen werden. Da kommt ein Ton ins Erzählen, der ernst genommen werden will.
„Ich werde verletzt.“
So lautet der erste Satz in jenem Text, von dem ich hier sprechen möchte.
„Ich werde verletzt.“
Ein Text, der so beginnt, nimmt einen an der Hand, beim Lesen, und er lässt die Hand nicht mehr los, bis zum letzten Wort.
Neun kurze Absätze hat dieser Text, oft ist ein Absatz nur zwei, drei Zeilen lang, aber immer wird darin von einer Verletzung erzählt.
In 28 Zeilen erfahren wir von vielen Verletzungen – von Verletzungen im Mutterbauch, bei der Geburt, und später.
Die Hohe Zange, die Häme der anderen Kinder, das Unverständnis der Ärzte, die Tabletten-Müdigkeit, die Chemie, die einen über die eigenen Füße stolpern lässt – es gibt viele Arten der Verletzungen und der Demütigungen, und sie alle kommen in diesem Text zur Sprache.
Diese Sprache braucht nicht viel. Sie zählt auf, knapp, anklagend, präzise. Sie erstellt eine Liste der Verletzungen, die beim Lesen weh tut.
„Ich werde verletzt“.
Der Satz will nicht mehr aus dem Kopf.
Beinahe benommen liest man von den Folgen dieser Verletzungen und schaut zuletzt ungläubig auf das eine Wort, das am Ende steht: Unverletzt.

Unverletzt – mit dieser Sehnsucht endet ein Text, der zeigt, was Literatur bewirken kann.
Mit wenigen Sätzen wird ein ganzes Leben erzählt. Wenige Worte schaffen einen Raum, der eine Biografie spürbar werden lässt, eine Biografie, die dem Dunklen, das sie geprägt hat etwas Helles abtrotzen möchte: eine Sehnsucht nach einem Leben ohne Verletzungen.

„Auch wenn es Kraft kostet, werde ich immer wieder die Freude suchen.“
Auch solche Zeilen stehen in diesem Text, und das macht ihn so wertvoll. Allein, dass die Verletzungen sprachlich gebannt und festgeschrieben werden macht einen Denk-und Herz-Raum frei, in dem auch die Freude und die Sehnsucht nach dem Unverletzten Platz haben. Es ist die Sehnsucht nach einer Unverletztheit, die dem Leben einen neuen Glanz gibt.
28 Zeilen erzählen von einem großen Schmerz- und von seiner Überwindung, auch dank der Sprache.
Allein das Benennen von Schmerz macht ein anderes Reden und Denken möglich.

„Ich werde verletzt.“
Oft genügt ein erster Satz, und schon hat einen ein Text fest im Griff. Das kann schmerzhaft sein.
Aber nur so bleibt Sprache glaubwürdig.
Ich möchte kurz aus dem Lebenslauf von Hans-Martin Hiltner zitieren. Er schreibt:
„Ich wurde am 5. Mai 1960 als erstes von vier Kindern von Dr. Regina und Dr. Gerhard Hiltner in Leipzig in Deutschland geboren. Papa und Mama waren Ärzte. Bei mir kam es unter der Geburt zur Sauerstoffknappheit. Davor hatte sich meine Mutter als junge Ärztin zu Beginn der Schwangerschaft, von der sie noch nichts wusste, bei einer Sprechstunde mit Röteln angesteckt.“

Der Antrag auf Schuleintritt des Sohnes in eine Sonderschule wird abgelehnt. So besucht Hans-Martin Hiltner zuerst eine Kindertagesstätte, danach eine Jugendtagesstätte.
Er arbeitet in einer Behindertenwerkstätte als Reinigungshilfskraft, später als Küchenhilfe bei einer Firma in Leipzig.
Nach dem Umzug der Familie nach Markkleeberg ist er bis 1985 in einer Bekleidungsfirma als Reinigungshilfskraft tätig.
Er besucht ab dem Jahr 1985 eine Wochenförderstätte in Höfgen/ Grimma. Aufgrund des Todes seines Vaters und der Erblindung seiner Mutter übersiedelt er 2008 in das neu gebaute Wohnheim Katharina von Bora, das sich in der Nähe der betreuten Wohnung seiner Mutter befindet.
Hans-Martin Hiltner beendet seinen Lebenslauf mit folgenden Zeilen:
„Jedes Wochenende holen mich meine Mutter und oft die Geschwister nach Hause. Auch die Urlaube verlebe ich gemeinsam mit meiner Familie.
Im August 2014 wurde ich wegen Nierenkrebs operiert.
Ich hoffe, dass ich noch lange leben kann.“
Hans-Martin Hiltner und Beate Hennenberg –diese zwei Namen sind- in dieser Reihenfolge- unter dem Text mit dem Titel „Verletzt“ zu lesen.
Beate Hennenberg, die Schwester von Hans-Martin Hiltner, hat ihn bei der Erstellung seines Textes unterstützt.
Dafür gebührt ihr ein großer Dank.
Hans-Martin Hiltner ist dafür zu danken, dass er bereit war, den Verletzungen, die er erlebt hat, noch einmal mit Sprache zu begegnen. Dieses Vertrauen in den sprachlichen Ausdruck ist ein wichtiger Schritt. So kann – wie in diesem Fall – Literatur entstehen.

Ich gratuliere Hans-Martin Hiltner im Namen der Jury sehr herzlich zum Ohrenschmaus-Literaturpreis 2018!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Heinz Janisch

Auszug aus der Jurybegründung

„Ich werde verletzt“.
Ein Text, der so beginnt, tut weh. Ab der ersten Zeile.
Strophe für Strophe werden in 28 Zeilen Verletzungen aufgelistet, konzentriert und detailliert.
Die Hohe Zange, die Viren, die Tabletten-Müdigkeit, die Häme.
Es gibt viele Arten der Verletzung.
Strophe für Strophe spürt man den Schmerz – und die Sehnsucht nach einer Unverletztheit, die dem Leben neuen Glanz gibt.

Markus BAUMGARTNER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Markus BaumgartnerMir geht es gut

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Mir geht es gut

Mir geht es gut. Meine Gedanken sind: Der Buchstabe M riecht nach dem, auf dem draufsteht: WAFER und in dem die Schnitten drinnen sind und die Zahl 13 riecht nach Frisör. Der Buchstabe S riecht nach Vanille Dany + Sahne und die Zahl 93 riecht nach Kasten & Wäscheständer. Der Buchstabe N riecht nach Schokokekse und die Zahl 79 riecht nach dem, in dem die Zündhölzer drinnen sind. Der Buchstabe A riecht nach Farbstifte oder Buntstifte und die Zahl 90 riecht nach Obsttorte. Der Buchstabe T riecht nach Stängel und die Zahl 53 riecht nach Marmelade. Der Buchstabe V riecht nach Tortenecken und die Zahl 37 riecht nach Rucksack. Die Zahl 8 riecht nach Wasser oder Teich. Die Zahl 17 riecht nach Früchtebrot. Die Zahl 47 riecht nach Vitalis. Der Buchstabe I riecht nach kaltem Dings da, wie das heißt, der Buchstabe S riecht nach Ärmeln aufkrämpeln, die Zahl 17 riecht nach Manuela, die ich, wie ich noch klein war, beim Julius Meinl gesehen hab und die Zahl 47 riecht nach Frau Doktor mit einem Fieberthermometer. Die Nummer AWDO127 riecht nach Eislaufplatz, die Nummer ISBN978 riecht nach Biene Maja, die Nummer ASVG437 riecht nach Entspannungsmusik und die Nummer KCAL868 riecht nach „Aber bitte mit Sahne“. Der Buchstabe D riecht nach Nagel vom Daumen, der Buchstabe E riecht nach Champignon, der Buchstabe F riecht nach Werkzeug aus Holz, der Buchstabe L riecht nach Zunge, der Buchstabe U riecht nach Hufeisen, die Zahl 1 riecht nach mir, die Zahl 2 riecht nach Weichsel, die Zahl 4 riecht nach Mandarine, die Zahl 8 riecht nach Pflaume, die Zahl 9 riecht nach Badewanne, die Zahl 12 riecht nach weißem Dings da, wie das heißt vom Vanille Dany + Sahne, die Zahl 24 riecht nach Fruchtsaftlimonade, die Zahl 34 riecht nach Limonade, die Zahl 38 riecht nach Kanarienvogel, die Zahl 39 riecht nach Sand, die Zahl 40 riecht nach Zucker, die Zahl 43 riecht nach Vanillepudding mit Sirup, die Zahl 44 riecht nach Geschirrspüler mit Geschirrspülsachen, die Zahl 45 riecht nach Biscuitroulade, die Zahl 46 riecht nach Kuchen, die Zahl 48 riecht nach Fruchtsaftlimonade mit Strohhalm, die Zahl 51 riecht nach Kaffe mit Milch, die Zahl 52 riecht nach Kirsche, die Zahl 57 riecht nach der Victoria, die Zahl 63 riecht nach Spritze, die Zahl 64 riecht nach Eierspeise, die Zahl 70 riecht nach Schreibmaschine, die Zahl 74 riecht nach Feuchttücher, die Zahl 76 riecht nach Kostüm, die Spalte A1 riecht nach Telefon bei Telekom Austria, die Spalte C4 riecht nach Lineal, die Spalte A2 riecht nach Kerzenwachs und die Spalte C7 riecht nach Fizzerszuckerl. Die Zahl 78 riecht nach Fruchtsaftlimonade mit Strohhalm.

Kurzbiografie

Ich heiße Markus Baumgartner und bin am 20. Mai 1991 geboren.
Ich wohne in Wien im 9. Bezirk bei meiner Mama Maria Baumgartner.
Als Baby war ich viel krank. Manchmal habe ich auch gebrochen.
Von 1998 bis 2002 besuchte ich die Volksschule Gilgegasse.
Von Anfang September 2002 bis Ende Juni 2008 besuchte ich die Schule im Klara-Fey-Kinderdorf.
Seit 2. Juli 2008 besuche ich Rainman´s Home.

Meine Hobbys sind Fernsehen, Filmen, Internet, Klavier spielen, Keyboard spielen und Lesen.

Vor Hunden habe ich Angst.

Laudatio

Laudatio für Markus BAUMGARTNER
von Eva Jancak

Das Gutgehen ist eine spezielle Welteinsicht

„Mir geht es gut!“,schreibt der 1991 in Wien geborene Markus Baumgartner und läßt uns, wenn wir weiterlesen, in eine Welt hineinsehen, in der Buchstaben, Zahlen und Gerüchen mit den Gegenständen des Alltags so selbverständlich verbunden werden, daß uns, den Menschen mit einer ganz gewöhnlichen Wahrnehmungsweise, wahrscheinlich vor Staunen der Mund offenbleibt.
Denn „Der Buchstabe M richt nacht dem, auf dem draufsteht: WAFER und in dem die Schnitten drinnen sind und die Zahl dreizehn riecht nach Frisör.“
Zahlen und Buchstaben, werden wir alsbald feststellen, scheinen in Markus Baumgartners Welt, der seit 2008 „Rainman`s Home“ besucht und vor „Hunden, wie er schreibt“ Angst empfindet, eine große Rolle zu spielen.
Eine Welt voll von wahrscheinlich nur scheinbar ungeordneten Verbindungen, in der vor allem das Riechen eine große Bedeutung hat.
„Der Buchstabe S riecht nach Vanille Dany + Sahne und die Zahl 93 nach Kasten und Wäscheständer“
Hätten Sie das gewußt und diese Verknüpfung angestellt?
„Ich nicht!“, denken Sie vielleicht und gleiten fasziniert tiefer hinein in Markus Baumgarnters beeindruckene Wahrnehmungswelt.
Erfahren dabei, daß „Der Buchstabe N nach Schokokeksen riecht und die Zahl 79 nach dem, in dem die Zündhölzer drinnen sind.“
Mit eigentlich sehr einfachen Worten werden hier die Zahlen und die Buchstaben zu Verbindungsgliedern, die wahrscheinlich helfen können, unsere ganz normale und gerade dadurch so verwirrende Alltags-, Konsum- und Werbewelt, die, wie man erfährt, wenn man den Text weiterliest, sehr oft aus Mannerschnitten, Tortenecken und Früchtebrot, die süßen Verführungen also, zu bestehen scheint, zu verstehen.
Eine äußerst sinnliche Wahrnehmswelt wird hier aufgetan, denn das Verzehren von Torten spielt unserem Leben sicher eine große Rolle, geht die Liebe, wie wir, die ganz gewöhnlich Wahrnehmenden, die ohne diese Verknüpfungspunkte durch die Welt gehen müssen, wahrscheinlich gerade noch wissen, durch den Magen und da sind wir schon bei der Zahl 17 und bei Manuela, die Markuns Baumgartner, als er noch klein war, beim Julius Meinl gesehen hat, angelangt.
„Und die Frau Doktor riecht nach der Zahl 47 mit dem Fieberthermometer….“
Fasznierend und beeindruckend sich in Markus Baumgartners Zahlen- und Buchstabenwelt einzulassen und dabei in die Welt der Literatur einzutauchen, die ja auch von den ganzen Großen in letzter Zeit sehr gern mit Zahlen beschrieben wird.
So hat uns der Amerikaner Josuha Cohen vor kurzem in seinem „Buch der Zahlen“, auf fast tausend Seiten, in einer vielleicht ähnlich verwirrenden Weise, zu einer neuen Welteinsicht gebracht.
Josuha Cohens „Buch der Zahlen“ und Markus Baumgartners Welt der Buchstaben und Gerüche, die wahrscheinlich hängen bleiben.
Denn „Die Nummer AWD0127 riecht nach Eislaufplatz, die Nummer ISBN978 riecht nach Biene Maja, die Nummer ASVG437 riecht nach Entspannungsmusik und die Nummer KCAL868 riecht nach „Aber bitte mit Sahne“.
Natürlich ganz klar und äußerst logisch! Haben wir das jetzt verstanden? „Die Zahl 78 riecht nach Fruchtsaftlimonade mit Strohhalm und die Zahl 38 nach Kanarienvogel“, so soll es sein!
Ich gratuliere Markus Baumgartner sehr herzlich zum Gewinn des „Ohrenschmauses 2018“ und für seine Gabe uns auf literarische Weise in seine Wahrnehmungswelt einzuführen und füge ein herzliches „Aber bitte mit Sahne!“, hinzu, damit es weiter so gut gehen kann!

Eva Jancak

Auszug aus der Jurybegründung

„Markus Baumgartner bringt uns auf eine verblüffend einfache Art und Weise durch die Verknüpfung von Zahlen, Buchstaben, Gerüchen zu den Alltagsgegenständen, eine andere Wahrnehmung- und Weltsicht bei, die wahrscheinlich lange hängenbleibt und uns vielleicht vieles verstehen und anders sehen lässt!“

Mustafa AKMAZ

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Mustafa Akmazmut

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Langsam werden

hasen-mut

schaf-mut

esel-mut

affen-mut

giraffen-mut

elefanten-mut

LÖWEN-MUT

Kurzbiografie

Mustafa Akmaz, geboren 1989, wohnt in Imst. Er ist seit 11 Jahren in der Lebenshilfe und malt in der Kunstgruppe. Sein größtes Ziel ist es zu schreiben!

Laudatio

Auszug aus der Laudatio von Felix Mitterer: „Eines haben wir inzwischen gelernt über Euch: Ihr alle seid mutiger als viele da draußen. Mutig wie die Hasen, die Schafe, die Esel, die Affen, die Giraffen, die Elefanten, mutig wie die Löwen!“

Schokoladenpreis

Sebastian ZIPSE
R

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Sebastian ZipserMIT LEEREM MAGEN

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MIT LEEREM MAGEN

Mit leerem Magen 
empfinde ich ein Unbehagen,

nichts kann ich vollbringen,

nicht mal eine Kleinigkeit,

ganz zu träumen von alltäglichen Dingen,
ich brauche eine genüssliche Zeit.

Kurzbiografie

Sebastian Zipser, geboren 1974, lebt in Dresden und ist im Bereich Handmontage tätig. Seit 2013 ist er Autor der Zeitschrift, ein Kunst – und Weiterbildungsprojekt der Bildungs-und Begegnungsstätte Brüderhaus des Martinshofs Rothenburg Diakoniewerkes und genießt es Texte zu schreiben. www.redaktion-kaffeepause.de.

Laudatio

Auszug aus der Jurybegründung

Ehrenliste

Cornelia PFEIFFER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträgerin Cornelia PfeifferMein Alltag mit schwerer und leichter Sprache

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Mein Alltag mit schwerer und leichter Sprache

Warum brauche ich Texte in Leicht Lesen?

Ich verstehe Texte in schwerer Sprache nicht sehr gut.
Bei Büchern in schwerer Sprache habe ich Mühe den Text zu verstehen.
Ich verliere das Interesse daran.
Mit Fremdwörtern und Fachbegriffen habe ich Probleme.
Wenn die Schrift zu klein ist, kann ich sie nicht lesen!
Ich muss aber wichtige Informationen verstehen können.
Um Texte in schwerer Sprache zu verstehen muss ich oft jemanden um Hilfe bitten,
damit mir der Text erklärt wird.
Immer jemanden um Hilfe bitten zu müssen ist für mich unangenehm.
Ich möchte die Texte lieber selbstständig lesen und verstehen können.
Es ist mir wichtig, Dinge selbst zu machen.
Das ist gut für mein Selbstwertgefühl.

Texte in Leicht Lesen sind anders:
Hier kann ich alles selbst lesen und verstehen.

Die Schrift ist größer und hat keine Verschnörkelung.
Der Zeilenabstand ist größer.
Es werden kurze Sätze verwendet.
Es gibt fast keine Fremdwörter.
In jedem Text mit Leicht Lesen gibt es ein Wörterbuch wo
schwierige Wörter erklärt werden.
Dadurch habe ich schon viele neue Wörter gelernt.
So fällt es mir leicht, den Inhalt zu verstehen
und ich muss nicht immer jemanden fragen.

Meine Erfahrungen mit schwerer Sprache

Zum Thema Bücher

Ich habe früher viele Bücher bekommen.

Diese Bücher waren mir aber alle zu schwer verständlich:

  • Es sind viele Fremdwörter vorgekommen.
  • Mit der kleinen Schrift habe ich auch Probleme bekommen.
  • Die Sätze waren viel zu lang.
  • Außerdem hat es keine Absätze gegeben.
  • Ich habe mich nicht mehr konzentrieren können.
  • Deshalb haben mich diese Bücher nicht mehr interessiert.
  • Es hat aber keine anderen Bücher für mich gegeben.
    Es hat nur Kinderbücher gegeben,
    die so geschrieben waren,
    dass ich sie gut verstanden habe.

Und Kinderbücher haben mich nicht mehr interessiert.
Sie haben nicht mehr gepasst weil ich schon erwachsen war.

Nicht nur mit Büchern habe ich solche Erfahrungen gemacht
sondern auch mit anderen Texten
im alltäglichen Leben.

Briefe von Behörden habe ich oft nicht verstanden.

Dabei sind diese Briefe so wichtig für mich.
Manche Briefe von Behörden haben mir sogar Angst eingejagt.
Sie waren so unverständlich geschrieben,
dass ich mir alles Mögliche vorgestellt habe.

Zum Beispiel habe ich einmal ein Entmündigungs-Schreiben bekommen:

Das ist schon lange aus, damals hat es noch keine Sachwalterschaft gegeben.
Da ist drinnen gestanden, dass ich entmündigt werde,
weil ich angeblich „schwachsinnig“ bin.
Das ist wirklich drinnen gestanden – heute kann ich darüber lachen.
Ich habe überhaupt nicht verstanden was in dem Schreiben gestanden ist.
Und weil meine Oma gesagt hat „jetzt wollen sie ihr alle Rechte nehmen“ habe ich mir vorgestellt, dass mir alle Rechte genommen werden.
Ich habe Angst vor der Zukunft gehabt, weil ich gedacht habe,
ich darf nichts mehr alleine machen.
Und alles nur, weil ich den Brief nicht verstanden habe.

Mit Bedienungs-Anleitungen hat es schon früher Probleme für mich gegeben.

Die Gründe dafür sind zu schwierige Erklärungen und zu kleine Schrift.
Manche Bedienungs-Anleitungen sind nur in Bildern erklärt.
Das ist schwierig, weil die Bilder so unverständlich sind.

Probleme hat es auch schon mit Fahrplänen gegeben,

weil sie zu klein gedruckt
oder zu kompliziert zum Lesen sind.

Welche Erfahrungen habe ich schon
mit Texten in Leicht Lesen gehabt?

Ich arbeite bei Proqualis.
Die Ausbildung für Proqualis war in Leicht Lesen.

Der Arbeitsvertrag von Proqualis ist in Leicht Lesen.
So ist es mir leicht gefallen,
mich für Proqualis zu entscheiden.

Ich arbeite gern bei Proqualis:
Bei Proqualis arbeiten wir mit Texten in Leicht Lesen.
So sind zum Beispiel die Fragebögen für Evaluierungen in Leicht Lesen.
Ich bin auch bei Text-Prüfungen dabei.

Ich habe früher auch schon eine andere Ausbildung in Leicht Lesen gemacht:
SUD (Selbst und direkt).
Das war auch eine Ausbildung
für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Da habe ich auch gelernt, wie ich mich selbst und andere Menschen mit Lernschwierigkeiten vertrete.

Ich bin sehr froh, dass es jetzt schon einige Texte in leicht verständlicher Sprache gibt.
Zum Beispiel Bücher.
Und das sind keine Kinderbücher sondern Bücher und Romane für Erwachsene.
Vom Capito-Netzwerk und auch vom Spaß am Lesen-Verlag gibt es Bücher für Erwachsene in leicht verständlicher Sprache

Es macht mir Spaß Bücher zu lesen, die ich auch verstehe.
So habe ich zum Beispiel schon Romeo und Julia oder die Kinder von Bahnhof Zoo gelesen.

Auch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist in Leicht Lesen.
So weiß ich besser über die Rechte
für Menschen mit Lernschwierigkeiten Bescheid.

Das OÖ. Chancengleichheits-Gesetz
gibt es auch in Leicht Lesen.
Es ist wichtig für mich, dass ich über alle Leistungen des OÖ. Chancengleichheits-Gesetzes informiert bin.

Leicht Lesen ist für mich sehr wichtig.

Bei den Texten mit dem Leicht Lesen Gütesiegel auf Stufe A2 verstehe ich inzwischen alles.
Oft sogar Texte auf Stufe B1.

Am Anfang habe ich nur kurze Texte verstanden.
Aber jetzt verstehe ich auch schon längere schwierigere Texte.

Textprüfungen für Leicht Lesen Texte haben mir dabei geholfen.

Schwere Sprache ist für mich aber
manchmal noch ein großes Hindernis.

Wenn die anderen Leute mit schwerer Sprache sprechen,
verstehe ich sie schon besser.
Ich traue mich auch nachfragen.
Wenn zu schnell gesprochen wird, traue ich mich stopp sagen.
Und wenn ich weiß, worum es geht, kann ich auch mitbestimmen.
Aber manchmal muss ich mich sehr konzentrieren,
damit ich verstehe, was die Leute meinen.
Das passiert vor allem dann,
wenn die Leute zu schnell sprechen.
Ich brauche Informationen in leicht verständlicher Sprache.

Ich brauche manchmal aber auch Menschen die mir erklären, was gemeint ist.
Ich brauche auch Zeit, damit ich nachfragen kann.

Wichtig ist für mich auch,
dass nicht zu schnell gesprochen wird.

Langsam sprechen und leicht verständliche Wörter verwenden –
das ist wichtig für mich als Mensch mit Lernschwierigkeiten

Wenn jemand in Leicht Lesen mit mir spricht, dann verstehe ich alles!!!

Christian ZSIVKOVITS

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Christian ZsivkovitsMein Freitag Abend in Stinatz

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Mein Freitag Abend in Stinatz

Freitag Abend in den Gasthäusern Otmar Grandits (Otti), Karl Grandits und Tinki Sifkovits.
Um halb acht am Abend leg ich los. Der Otti ist meine 1.Station. Ich mache ein Gespräch mit meinen Freunden Raimund ich sage Tschocki zu ihm und Harry den nenne ich Orü. Leider ist mein Freund Harry am Freitag dem 9. März verstorben.
Nebenbei trinke ich einen kleinen Braunen. Otti spielt schon wieder seinen Bauern mit den Gästen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, oje ich muss zahlen, meinen Kaffee. Er ist bezahlt sagt Gastwirt Otmar leise zu mir.
Nun geh ich es an, meine weitere Reise.
2. Station ist Gasthaus Karl Grandits.
Meine anderen Freunde der Pepi, der Thomas, der Peter und der Gerci warten bereits auf ihren Spezi Christian.
I merk wir sind alle da, sitzen alle beeinander.
Das Kartenspiel und die Getränke sind so stark wie ein Panther. Ich bestelle mir ein Steirer Kracherl nach dem andern.
3. Station zum nächsten Gasthaus Tinki muss ich wandern. Die Uhr bereits halb elf zeigt. Ich habe immer was zu erzählen. Ich weiß schön langsam holt mich die Müdigkeit ein.
Wünsch allen: Gute Nacht.
Danach gehe ich nach Hause. Die Uhr zeigt 23:00 Uhr.
Zuhause sperr ich auf, und die Tür wieder zu.
Danach ich gehe in mein Zimmer.
Der Fernseher rennt bis 3Uhr immer.
Um 3 Uhr schlaf ich schließlich ein.
Bis Mittag schlaf ich lieb und fein.
Am nächsten Mittag wache ich auf wie ein wilder Stier.
Im Kühlschrank steht noch eine Flasche Bier.
Bis zum Abend dauert es noch eine Weile.

Forum Logos Gruppe Europa

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Forum Logos GruppeEuropa

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Europa

ist ein „ironisches land“. europa ist ein staat wie amerika. europa ist eine nation, ein kontinent. ich bin europäer, paul ist keiner, weil er niederösterreicher ist, christian ist „jusch“ und engländer.
europa kommt von der jungfrau europa.
europa ist kriegsfrei.
europa, die frau, war hübsch, ein wildes land, dunkelhaarig, schlank, ein männertraum.
früher waren alle schlank, weil sie nur am abend gegessen haben.
sie kommt aus der unterwelt. und hat eine maske
die frau europa ist der kontinent und umgekehrt.
in europa spricht man englisch, deutsch, italienisch.
kulturell wertvoll, dem untergang geweiht.
europa ist großbusig, eine amazone, langbeinig, eine kampfbi-lesbe. zeus war ein bärtiger mann. er hatte ein pimpi wie ein stier.
Europa war & ist Alanis Morissette in Dogma alias Gott und kann nicht sprechen.
& hatte und hat deswegen Alan ZOIS RICKMAN alias VOICE OF GOD:

es gibt die eu, manche meinen, alles ist teurer geworden, euro ist teuro. vorher war sie sauber, jetzt dreckig. hat keinen topf zum baden gefunden.
manche politiker sind in der eu korrupt.
immer mehr schufte.
die eu wurde gegründet als schutz vor angriffen, wegen der angriffe. griechenland ist auch eu. vor der eu war österreich in allen möglichen.

öst. war vorher in der freiheit im himmel.
europa ist ein drecksloch geworden, weil die welt so…überall tiere und menschen erschossen werden.
der teufel lacht sich ab, während wir nicht mehr können. die oben lachen,
die unten müssen hackeln,
wir können uns nicht wehren.
früher gab es in europa die nazis.
die nazis kamen vom himmel und sind in europa einmarschiert. sie haben ganz
europa besetzt.
europa steht für freiheit. gott will eigentlich nur urlaub haben. die nazis streiche ihm den
urlaub. er muss hackeln, warum hast du die welt geschaffen?
wer warst du früher?

europa will frei sein. lentschen sollte nach ganz europa ausgeweitet werden. europa
kann nicht aufgrund der kettenlast mehr. sie wurde verdroschen, gefangen genommen und
dauernd als hure bezeichnet. jeder ist gleich. freiheit, gleichheit und brüderlichkeit, die grundwerte der fr. revolution, europas.
die politker wollen uns auseinanderbringen.
die behinderten benachteiligen. behinderte sind europa eine minderheit, ein totgeschwiegenes thema.
behindertenrechte in europa. keine demokratie für behinderte.
wir dürfen nix mehr. erstens wegen geld, zweites sklaverei, drittens tod.
in europa sollte es keine qualen und hierarchien geben und diktaturen. es sollte keine politischen brand-zeichen mehr geben. eine gutmütige politik.
gleichberechtigt und nicht bosartig.
leute wie lugner sollten europa nicht regieren,
lieber würd ich im erdboden versinken.
gott selber sollte europa regieren. gott ist eine frau,
sie kommt nie dazu etwas zu sagen. die eu sollte sich auflösen. wenn die eu so wichtig ist,
dann keine korruption und geldgier. in europa hören die leute nicht zu.
der perfekte politiker sollte menschlich sein, einer wie du und ich. ohne porsche-limosine
und geldgierig und den reichtum raushängen.

europa ist ein böses pferdchen, dass die freiheit sucht, aber nicht findet, weil sie bald sterben wird. ich, christian, will bei ihr sein. in europa soll sich alles beruhigen und nicht
so laut sein. gott soll sich ausrasten können und die leute.

ich wünsch mir frieden für europa. peace for
harmony & love for europe. kein ständiger krieg,
keine kämpferei.

Jaqueline MOSER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Jaqueline MoserDie Stimmen in meinem Kopf

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Die Stimmen in meinem Kopf

Meine Freundin bat mich für ein Fest eine Geschichte zu schreiben. Da ich im Umgang mit Wörtern und beim Erfinden von Geschichten großartig bin, glaubte ich es wäre einfach. Ich machte mich also an die Arbeit.

Ich klappte meinen Laptop auf und öffnete eine leere Seite. Die ersten fünf Sätze gingen im Hand umdrehen, doch dann hörte ich eine Stimme. Um genauer zu sein mehrere. Eine riet mir meinen Haupt-Charakter als Tänzerin darzustellen, die nur von der Musik lebt. Eine andere meinte es würde ein Künstler, der ein Drogenproblem hat besser passen. So viele gute Ideen doch keine war gut genug für mich. Ich bin ein Mensch. Dennoch bin ich ein einzigartiger Mensch der sich gerne von anderen abhebt. Was für Ideen gibt es noch? Eine Frau die ihren verstorben Geliebten verliert und in die Vergangenheit reist um dies zu verhindern? Nein. Das geht überhaupt nicht. Ich versuchte nachzudenken doch die ganzen Stimmen in meinem Kopf waren so laut, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich fragte nach noch einer Idee. Eine schwarze Braut? Behalte ich mal im Hinterkopf, aber jetzt würde es nicht passen. Ich brauche eine Geschichte, die weder unheimlich noch schlecht zu verstehen ist. Etwas muss dran sein. Wie? Was hast du gesagt? Eine Geschichte über einen Jungen, der in einer Mörderfamilie kommt? Die Idee gefällt mir wird, aber glaube ich zu lang und hat viel zu viel Tod. Wieder im Hinterkopf einspeichern. Ich schaltete meinen Radio ein und ließ Musik spielen. Immer wenn mir nichts einfällt gehe ich im Raum herum und höre was meine vielen Mitbewohner in meinem Kopf zu sagen haben. Ich stand also auf und lief im Kreis herum. Noch eine Idee. Ein Mädchen das zwei Seiten an sich hat. Eine liebevolle aber faule Seite und eine brutale dennoch arbeitswillige Seite. Hm? Wäre zwar eine gute Geschichte, aber würden es die Leser verstehen? Wieder abspeichern. Eine leise Stimme meldete sich. Ich meinte zu den anderen, dass sie ruhig sein sollen. Was meinst du? Eine einseitige Geschichte über euch? Über meine Stimmen im Kopf? Wäre möglich. Ja. Das ist es. Ich tippte auf die Buchstaben. Als ich fertig war las ich es nochmal durch. Ich war zufrieden genug. Ich schloss den Laptop und legte ihn beiseite. Ich ging dann ins Bett und schlief ein. Als ich aufwachte war ich wieder in meiner Gummizelle. Eine meiner Stimmen fragte, ob mir diese Geschichte gefallen hatte. Ich nickte. Meine Stimmen sorgen immer dafür, dass es mir besser geht. Selbst in dieser Situation. Laut meiner Diagnose wurde ich als höchstgefährlich eingestuft. Kommt davon, wenn man zu viel Fantasie hat. Die sind alle nur neidisch. Die wissen eben nicht, was wahre Kunst ist. Wie armselig.

Denise LUTTENBERGER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträgerin Denise LuttenbergerJohannas Lebensgeschichte

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Johannas Lebensgeschichte

Johanna kam am 11.5.1995 zur Welt.
Sie kam aber um drei Monate zu früh und so fing der Albtraum für sie an. Johanna hatte es schon als Baby nicht leicht, da sie die ersten neun Monate nur im Krankenhaus war, da ihre Mutter nicht die Kraft dafür hatte. Ihr Vater ist schon lange vor der Geburt von Johannas Mutter weggegangen. Und so hatte sie einen neuen Vater, aber sie hatte bei ihm nichts zu lachen.
Es war immer das Gleiche: Wenn er nachhause kam, dann versteckte sie sich unter dem Tisch. Und sie musste zuschauen, wie er ihre Mutter schlägt. Und wenn er sie erwischte, dann ging er auch auf die kleine Johanna los.
Als die kleine Johanna drei Jahre alt war, hatte sie schon gelernt auf sich selbst aufzupassen. Die kleine Johanna war nicht glücklich, da sie immer all ihre Spielsachen verkaufen musste, da ihre Mutter kein Geld hatte um Essen einzukaufen.
Am nächsten Tag läutete es an der Haustüre. Die kleine Johanna öffnete die Türe, um zu sehen, wer da sei. Es standen zwei Polizisten vor der Tür und fragten die kleine Johanna, ob ihre Mutter da sei. Die kleine Johanna sagte ja und zeigte ihnen den Weg ins Wohnzimmer. Ein Polizist verließ die Wohnung, nach einer halben Stunde kam er wieder und brachte eine Frau mit. Die Frau stellte sich bei der kleinen Johanna vor und sagte, dass sie von der BH Graz sei und sie redete mit der kleinen Johanna. Sie merkte, dass die kleine Johanna unglücklich war und fragte sie, warum sie so traurig sei. Die kleine Johanna erzählte ihr die ganze Geschichte. Als sie kurz vorm fertig werden waren, kam ihr Stiefvater nach Hause und als er merkte, dass da was nicht stimmte, wollte er auf die kleine Johanna losgehen. Die Frau von der BH Graz überlegte nicht lange und brachte die kleine Johanna in Sicherheit.
Sie kam zu einer Pflegefamilie. Am Anfang war Johanna schüchtern und traute sich nicht viel, nach einiger Zeit gewöhnte sie sich daran und sie wusste, dass der Albtraum jetzt vorbei war. Nach 15 Jahren verließ sie ihre Pflegeeltern, da sie selbst auf ihren eigenen Füßen stehen wollte. Sie telefonierte jeden Tag mit ihrer Mutter, denn sie war nicht nur ihre Mutter sondern auch ihre beste Freundin. Sie war gerade so glücklich, sie hatte alles was sie wollte. Nach 16 Jahren Glück dachte Johanna nicht daran, dass ihr Leben sich noch ändern wird.
Sie stand ganz normal auf und wollte in die Arbeit gehen und von dem Zeitpunkt an änderte sich ihr Leben. Sie ging zur Arbeit und auf dem Weg spürte sie ihren linken Fuß nicht mehr. Er war wie eingeschlafen. Sie dachte sich nichts dabei, und es ging nach einer gewissen Zeit wieder, aber dann wurde es immer schlimmer. Jetzt war es schon so weit, dass sie ihre linke Hand nicht mehr spürte. Sie bekam Angst, aber ging nicht zum Arzt. Gegen 19:00 Uhr fing etwas an, was sie nicht gedacht hatte. Um 19:13 Uhr war ihre ganze linke Seite taub. Johannas Mama rief die Rettung, nach fünf Minuten war die Rettung da und sie schauten nach ihr. Als sie die kleine Johanna untersucht hatten, riefen sie den Notarzt an, wo der sei und ob er frei sei. Als er nach zehn Minuten da war, sagte er nur: Sofort ins Krankenhaus, wir können ihr nicht helfen.
Nach einer Stunde Wartezeit kam endlich die Ärztin und sagte, der Befund sei da. Aber es schaue nicht gut aus für die kleine Johanna. Johannas Mama fragte, was sie hatte. Die Ärztin sagte: Schlaganfall plus Gehirnblutung.
Als die kleine Johanna wieder zu sich kam, kannte sie sich nicht mehr aus – sie wusste nicht mehr, wo sie ist und wer sie ist. Als sie zu weinen anfing, kam ein Pfleger ins Zimmer und fragte, ob bei ihr alles in Ordnung sei. Sie fragte, warum sie hier sei und warum sie nicht mehr gehen könne. Der Pfleger setzte sich zu ihr und sagte zu ihr, dass es jetzt schwer für sie sein würde und sagte ihr auch was mit ihr los ist und was sie hat und warum sie nicht mehr gehen kann. Aber er sagte auch, dass sie bitte weiter kämpfen soll.
Und sie kämpfte auch, sodass sie wieder aus dem Rollstuhl kam. Nach neun Wochen war sie fast wieder die alte kleine Johanna. Sie konnte wieder alles machen, wie vorher. Aber leider, als sie wieder zuhause war, fing das Ganze wieder an. Die ganze linke Seite war schwer und somit musste sie noch mal ins Krankenhaus. Nach zwei Stunden Wartezeit kam endlich die Ärztin und sagte, dass sie noch mal eine Gehirnblutung hat. Für die kleine Johanna brach eine Welt zusammen. Nach fünf Tagen Aufenthalt hatte sie Visite und erfuhr, dass sie ohne eine Operation nicht lange leben wird. Also willigte sie in die Operation ein.
Sie musste viele Untersuchungen machen, da sie die Narkose zu hundert Prozent vertragen musste, doch bei der letzten Untersuchung lief etwas schief. Die kleine Johanna bekam keine Luft mehr. Sie kämpften um das Leben von Johanna. Als die kleine Johanna wieder zu sich kam, war das ganze Zimmer voller Ärzte und drei Notärzte waren auch da. Sie waren alle froh, als Johanna wieder die Augen öffnete. Sie durfte aber trotzdem die Operation machen. Nach drei Tagen war es so weit, sie hatte Angst nicht mehr aufzuwachen.

Es war so weit. Die Schwestern holten die kleine Johanna in ihrem Zimmer ab und brachten sie runter. Unten wartete schon ihre Mama und nahm sie in die Arme und sagte: Ich hab dich lieb, egal was passiert. Und so war sie auch darauf eingestellt, dass alles gut geht. Nach acht Stunden kam die kleine Johanna aus dem OP Raum und gleich in die Intensiv zur Überwachung. Als die kleine Johanna aufwachte, weinte sie.
Sie weinte erstens, weil sie Schmerzen hatte und zweitens, weil sie alles spüren konnte. Ihre Mama war die ganze Zeit über bei ihr. Die kleine Johanna musste zwar alles wieder lernen, aber das war ihr egal. Weil sie jetzt wusste, dass sie es geschafft hatte, und dass der Albtraum endlich ein Ende hatte. Sie war wieder glücklich und wollte nicht mehr zurück denken.

Aber nach zwei Jahren fängt der Albtraum schon wieder an. Es wird schon wieder alles taub und die kleine Johanna beschließt, schnell ins Krankenhaus zu fahren, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Nach zwei Stunden Wartezeit wird sie aufgerufen, und sie geht ins Ärztezimmer, um den Befund zu erfahren. Die Ärztin sagt zur kleinen Johanna, dass sie hier bleiben muss, dass sie schon wieder eine Gehirnblutung hat. Für die kleine Johanna bricht eine Welt zusammen. Sie denkt nur, warum immer ich und warum sie sie nicht einfach sterben lassen können und somit muss die kleine Johanna zuschauen wie Tag für Tag immer weniger geht.
Nach zwei Tagen erfährt sie, dass sie nochmal eine Operation braucht. Sie hat drei Tage nur geweint und wollte auch nichts essen. Nach drei Wochen war es wieder soweit und die kleine Johanna ist ganz gelassen. Sie hat genau die richtige Einstellung: Es ist das letzte Mal gut gegangen, also wird es jetzt auch gut gehen. Nach acht Stunden kommt die kleine Johanna auf und sie schaut sich mal um.

Sie schafft es schnell und kommt schon nach sechs Tagen in die Reha. Nach fünf Monaten ist der Horror für Johanna vorbei. Sie kämpft heute noch, aber sie ist schon auf dem Weg der Besserung und sie will nicht mehr darüber nachdenken. Sie ist eine Kämpferin und sie wird eine Kämpferin bleiben, das weiß die kleine Johanna ganz sicher.

Christoph DIETRICH

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger DIETRICH ChristophSuper Deutz Traktor, super Gerät

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Super Deutz Traktor, super Gerät

Mei Lieblingstraktor is der deutsche Deutz Traktor. Der is gut, der is nie eingongen, der schofft des. Warum er mei Lieblingstraktor is? Weil er unschlogbor is, den konnst net schlogen, weil der is viel zu stork. Wenn er übers Feld fahrt, weißt eh, übers Feld, is er unschlogbor, den konn man net so leicht schlogen, des muast amol zom bringen.
Hinter den Traktor hob i a Maschine dran gehängt, eine Maschine. Die nennt sich Luftdrillmaschine. Mit Luftdruck werden dort die Körner angesaugt. Durch diese Bewegung, die im Gerät drin is. Die Körner werden in die Luft geschmissen. Dann fallens beim Röhrl wieder runter und dann fallens in den Acker rein. Das is a Schlauch, der sät das dann auf den Acker. Das is eine Sämaschine.
Also der Deutz trägt vorne ein Gewicht, damit der Traktor ausgeglichen ist. Damit die Kompakt-Sämaschine das länger durchhalten kann, damit der Traktor sich stabilisiert. Durch das Gewicht.
Der Deutz Motor, der is ganz wichtig, der hat Vorteile dieser Motor. Er ist nicht zerstörbar, der is so gebaut, dass er stabil is. Und du hörst den Motor net, weil du ja drin sitzt im Traktor, weil die Lautstärke abgeschirmt wird. Der hat auf zwei Seiten so Dinger drauf gebaut, so eine Haube, damit der Motor net tscheppert. Draußen is er laut, aber in der Kabine nicht.
Damals hat meine Freundin mir einen Film zum Geburtstag gebracht. Einen Film. Über diese Geschichte über meinen Deutz Traktor. Man hat gesehen, wie der früher ausgeschaut hat. Früher hat man den Traktor mit Wasser angetrieben. Da habens einen Fächer gehabt, da habens Holzspäne reingegeben und das angezündet, damit der Traktor heiß wird. Dann hast den starten können.
Also die PS Leistung beträgt jetzt sicher schon das Doppelte, weil der Deutz muss ja was zam bringen wenn er am Feld fährt. Und dieser Deutz Traktor hat eine Besonderheit: Die Farbe, die er trägt. Die schwarz-grüne Farbe is das Fabrikat der deutschen Industrie Köln Deutz.
I bin ein Fan von dem, i hab den gern. Und es freut mich immer noch, wie der Deutz über die Felder fahrt. Genial, wirklich!
Seine Form, die er trägt, die fällt auch auf: Er is so stabil gebaut, die ganzen Einrichtungen die er hat. Die Kabine und die Motorhaubn, das passt genau dazu, damit er so ausschaut, wie er sein soll.
Und wenn etwas kaputt wäre, würden wir das schon längst wissen. Egal obs der Motor is oder die Hydraulik hinten, dann wissen wir das sofort. Weil ich genau weiß, wenn der Traktor die Probleme hat. Ich war ja selber auch Mechaniker für die Geräte und deshalb kenn i mi halt aus.
Und i bin froh, dass der noch eine Bodenbeständigkeit hat, dass er stabil is, dass er sich besser drehen kann. Links, vor oder zurück, das is egal. Der is stabil, den kann nix umhauen, der is unbesiegbar. Weil der fahrt halt einfach übern Acker drüber. Vullgas!

Silvia HOCHMÜLLER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Silvia HochmüllerHerz denken

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Herz denken

Herz denken ist sehr wichtig, weil es gesund ist.
Weil man positiv denken muss, man muss was Gutes denken.
Man muss mit dem Kopf und mit dem Herz denken, miteinander.
Miteinander sind wir stark, Kopf und Herz.

Beim Denken stirbt dann alles ab, wenn es die Hoffnung nicht gibt.
Die Hoffnung kommt vom Himmel, weil es so ist.
Das Herzdenken braucht viel Ruhe und Luft zum Atmen.
Das Herz atmet durch die Lunge aus und ein.

Das Herz soll geheim halten, irgendwas. Alles verrät das Herz auch nicht.
Die Gedanken kommen vom Kopf, sie gehen überall hin.
Als erstes eine Runde auf die weite Reise, im Piusgelände, und dann wieder zurück in den ganzen Körper hinein, von oben nach unten.
Der Körper fühlt sich wohl.

Herz und Kopf arbeiten zusammen. Alleine vom Kopf schafft man es nicht.
Das ist viel zu stark. Das geht auf die Nerven, das ist nicht gut.
Ohne Herz geht es nicht, das funktioniert nicht, weil man keine Gefühle hat.
Ich brauch ein Gefühl, zu spüren das Leben.
Das geht vom Kopf alleine nicht, das geht vom Herz alleine nicht.

Körper alleine kann man vergessen.
Die Gefühle braucht man.
Sie sind aber ein bisschen schwierig, sie sind ein bisschen komplizierter, sie sind nicht so leicht.
Auf der einen Seite weiß man nicht, ob ich fröhlich oder traurig bin. Die Gefühle sind fast gleich. Da tu ich mich schwer.
Ich kann nicht unterscheiden was ich hernehmen soll?
Beides zusammen muss sein.
Ich kann das nicht trennen, nein das geht nicht.

Meine Lieblingsgefühle hab ich verschwinden lassen.
Die hab ich in den Sommer geschickt.

Peter GSTÖTTMAIER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Peter GSTÖTTMAYERIh sog zum Abschied leise Servus!

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Ih sog zum Abschied leise Servus!

Jonny bringt mei persönliche Mappm in die TH
und trinkt mit Riki und mir Kaffee.
„Peter ih hol di um viertlübazwölfi ob, fohr ma in de Werkstott,
moch ma nu a letzte Runde und a poor Fotos, mogst ?“

Hobi ois numol genau ongschaut,
in mein Spind san nu Orbeitshandschuah a Heft und a Leiberl glegn,
Herz hot weng zomzogn, des gsegn hob.
Wor long in den Kostn drin.
25 Johr! Aus! Is vorbei !

„ Buama tats den Onhänger aussa
und an Rosnmäha
und du Peter schiabstn donn aufn Onhänga aufi,
ih moch a poor Fotos“, sogt Jonny.
Komisch Gfüh, des letzte Mol des gmocht hob.

25 Johr hobi fleißig gorbeit bei jeden Wetta,
hob vü glernt, gsegn, plaudert, glocht
und gstrittn a mit de Kollegen.
Hobm vüll gschoffa miteinanda.

Greiner und Waldhauser san steh bliebm
und hobm plaudert mit mir.
Wor a schene Zeit, wor stolz des ois schoff
und mi in meiner Wohnung söba durchibring.
Dös is a Leistung!

Guat, dass ih Walter Edtbauer überredt hob,
Aussengruppm mochan.
Hot sicha auszoiht, für olli!

Jetzt is Zeit wos ondas moch.
Geh freiwillig zruck eini in Korbflechterei.
Dort hobi ongfongt.
Is net so stork.

Bin net den gonzn Tog auf di Fiaß
net so miad auf d Nocht.
Bessa so,
wor schon so grantig, nimma zfriedn .
Fuaß hot so weh ton !

Heidi hot schon gsogt, „Peter muaßt bremsn,
wird dir sunst z`vü“!
Wohnung und draussn orbeitn wor wirkli stork.
Hobi vü Wülln ghobt, des schoff
hob nimma kinna.

Fuaßschmerzn hobm mi einbremst.
Bin freiwillig zruck eini, wor mei Entscheidung.
Wor sicha richtig.

Geht mir jetzt wieda guat. Bin froh!
Is mir liaba nu long in meiner Wohnung lebm konn, söbsständi.
Hobi mehr davon.
SÖBSTSTÄNDI des wor imma mei Ziel !
Jetzt ist Lebm wieda schän, jetzt geht Lebm wieda leicht.

Ruth OBERHUBER

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträgerin Ruth OberhuberREGIERUNG

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REGIERUNG

Darf ich mich mal vorstellen?
Ich bin die neue Bundeskanzlerin.
Ich rede nicht, ich tue mehr.
Bitte denkt mehr nach,
mit dem Geld mehr haushalten
und eure Hosentaschen entleeren.
Ist zwar nicht leicht, aber ihr könnt es schaffen.
Mein Name ist: Marie Sabine Grubauer.

Stefan MANN

Literaturpreis Ohrenschmaus Preisträger Stefan MannDas gehört zu meinem Leben dazu

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Das gehört zu meinem Leben dazu

Einmal hat die Mama eine schlechte Phase gehabt und hat gesagt, sie will nicht mehr leben!
Deshalb konnte ich nicht schlafen. Ich habe gesagt, sag so was nicht, weil ich brauche dich noch!
Wie sie das gesagt hat, hat das meine Tante auch sehr erschreckt.
Ich habe zu Gott gebetet, ich habe gesagt: „Bitte nimm meine Mutter nicht weg, das tut mir weh.“
Gott hat mit mir geredet. Ich bin auf dem Bett gelegen und er hat mit mir geredet:
„Stefan, so ist das Leben! Ich habe die Menschen erschaffen und sie kommen wieder zu mir zurück. Du hast noch ein schönes Leben, weil du noch ziemlich jung bist.“
Gott hat zu mir gesagt: „Stefan, wenn deine Zeit kommt, genieße doch das Leben!“
Und da habe ich mit ihm geredet, dass jeder sterben muss.
Und da hat er mir gesagt: „So ist das Leben, weil jeder sterben muss.“
Und ich weiß selber, ich bin nicht umsonst auf die Welt gekommen. Und du hast mir ein schönes Leben geschenkt. Die Gedanken, die ich mir mache, dass das Leben so ist, da kann man nichts machen, weil jeder sterben muss, auch die Kinder und die Familie.
Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie wissen auch, dass mich das beschäftigt.
Wenn ich keine Familie habe, mag ich auf der Gruppe Weihnachten feiern.
Und immer scheint die Sonne, weil ich ein Sonnenkind bin und das bin ich immer noch.
Danke Gott, dass du mich auf die Welt geschickt hast und das mache ich auch um die Liebe weiterzugeben.
Und ich genieße das Leben.