Preisverleihung Ohrenschmaus: Zum fünften Mal wurden die besten Texte ausgezeichnet

Ruth Oberhuber, Peter Gstöttmeier und Reinhard Schmidt heißen die diesjährigen GewinnerInnen des Literaturpreises Ohrenschmaus 2011

Zum fünften Mal wurde heuer der Literaturpreis Ohrenschmaus in den Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensberichte im Wiener Museumsquartier vergeben. „Dieser Literaturpreis ist ein Kulturprojekt – und kein Sozialpreis – und soll das öffentliche Bild von behinderten Menschen nachhaltig verändern. Menschen mit Lernbehinderung wollen zeigen, was sie können und das ist beeindruckend, wie die zahlreichen Texte beweisen. Zudem sollen Literatinnen und Literaten durch die Ausschreibung des Literaturpreises motiviert werden, ihr Talent und ihre Leidenschaft zum Schreiben weiterzuverfolgen“, so der Initiator Franz-Joseph Huainigg.

Bei der diesjährigen Preisverleihung am Dienstag, 29. November 2011 wurden die Siegertexte im Rahmen einer abwechslungsreichen Veranstaltung, moderiert von Barbara van Melle und Ronny Pfennigbauer, im Wiener Museumsquartier prämiert. Die Jury des Ohrenschmauses bestehend aus Felix Mitterer (Ehrenschutz), Eva Jancak, Barbara Rett, Andrea Stift, Heinz Janisch, Ludwig Laher und Kurt Palm hat heuer folgende SiegerInnen auserkoren: Peter Gstöttmaier mit dem Text „Söbständi“ (in der Kategorie Lebensberichte), Reinhard Schmidt mit „Ascheimer“ (in der Kategorie Prosa) sowie Ruth Oberhuber mit „Der Durchbruch des Kindes in mir“ (in der Kategorie Lyrik).

Das Buch zum Ohrenschmaus!

Besonders stolz sind der Initiator Franz-Joseph Huainigg und die Partnerorganisationen Caritas, Diakonie, Jugend am Werk, Lebenshilfe und Vienna People First auf das druckfrische Ohrenschmaus-Buch, das die besten eingereichten Texte aus insgesamt fünf Jahren versammelt. Das Buch ist ab nächster Woche im Buchhandel (Verlag der Provinz) erhältlich und kostet € 18,- . Besonderer Dank gilt den Sponsoren Erste Bank, Raiffeisen Wien, Baumax, Zotter, Lions Club Wieselburg, Verbund, Wiener Städtische und dem Museumsquartier Wien, die mit ihrer Unterstützung einen zentralen Beitrag leisten.

Begründungen der Jury 2011

Peter Gstöttmaier „Söbständi“ (Preisträger Lebensberichte)
„Söbständi ist, allas sölba macha, sölba denka und toan“, schreibt der 1962 in Waldhausen geborene Peter Gstöttmaier und hat gerade dadurch die Jury fast einstimmig überzeugt, ihn zum heurigen Preisträger des „Ohrenschmauses“ in der Sparte Lebensbericht zu machen. Wobei wahrscheinlich besonders die Authentizität des handgeschriebenen Textes und das Verwenden der Umgangssprache beeindruckte. Denn Selbständigsein ist nicht nur wichtig, sondern bedeutet auch, sein Leben selber in die Hand zu nehmen und aufzuschreiben.

Ruth Oberhuber „Der Durchbruch des Kindes in mir“ (Preisträgerin Lyrik)
Bei den vielen schönen Lyriktexten, die heuer beim „Ohrenschmaus“ eingereicht wurden, überzeugte die Jury ganz besonders die Gedichte der 1993 in Linz geborenen Ruth Oberhuber, die mit poetisch starken Worten vom Erwachsenwerden und dem von zu Hause ausziehen erzählt. „Ich wollte sehen, ob ich leben kann“, schreibt sie und hat es wahrscheinlich schon bewiesen, obwohl es nicht immer leicht und einfach ist, „wenn der Wind eisfischen geht“ und es „Regen, Nebel“ gibt „dann wieder Sonne und Licht“ gibt.

Reinhard Schmidt „Ascheimer“ (Preisträger Prosa)
„Ascheimer“ – dieser Text ist in meinen Augen auch deshalb großartig, weil er das Gutgemeinte thematisiert, das für Nichtstandardmenschen noch lange nicht das Gute sein muss. Beladen mit den Ladengeschenken, vor denen dem Erzähler graust, flüchtet er sich täglich in ein anderes Geschäft, wo er den unangetasteten frischen Kuchen im Mistkübel verschwinden lässt. Wunderbar auch, wie der Autor am Schluss sich die Perspektive der Bäckersfrau aneignet, die ob des regelmäßigen absurden Geschehens immer lachen muss.