Was wir damit meinen?

Menschen mit Lernschwierigkeiten
Menschen mit intellektueller Behinderung
Menschen mit Lernbehinderung,
…Menschen

Der Literaturpreis Ohrenschmaus spricht in verschiedener Weise von Menschen mit Behinderungen. Er verwendet NICHT die alte Formulierung „Menschen mit geistiger Behinderung“. Sie wird von den behinderten Menschen selbst als abwertend empfunden. Sie beschreibt die Menschen mit Behinderungen nicht richtig.

Wenn wir genauer von den Menschen sprechen, verwenden wir mehrere Begriffe. Wir sprechen sowohl von „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ als auch von „Menschen mit intellektueller Behinderung“ oder auch Menschen mit Lernbehinderung“.

„Menschen mit Lernschwierigkeiten“ ist die Bezeichnung, die die SelbstvertreterInnen der Menschen mit Behinderungen sich in der Regel selbst geben. Sie wünschen sich die Verwendung dieser Bezeichnung.

„Menschen mit intellektueller Behinderung“ entspricht dabei der europäischen Wortbildung „people with intellectual disabilites“. Sie setzt sich zunehmend auf europäischer Ebene in der Sprache der Politik und der Wissenschaft durch.

„Menschen mit Lernbehinderungen“ wird derzeit auch häufig verwendet, so auch im Regierungsprogramm oder beim „Ohrenschmaus“.

Wir gehen von einem sozialen Modell von Behinderung aus.

Behinderung entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Behinderungen und einstellungsbedingten und umweltbedingten Barrieren.

Diese Barrieren hindern Menschen an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft. Behinderung wird dabei als „normaler“ Bestandteil menschlichen Lebens gesehen. Sie ist verbunden mit dem Respekt vor der Unterschiedlichkeit. Menschen mit Behinderungen werden als Teil der Vielfalt der Menschheit gesehen.

Behinderung wird als Quelle möglicher Bereicherung wertgeschätzt.

Die gesellschaftliche Vision dieser Sichtweise ist eine inklusive Gesellschaft. Sie soll die gleichberechtigte Teilhabe, Selbstbestimmung und Wahlfreiheit ermöglichen.

Was meinen wir mit Menschen mit Lernschwierigkeiten/ mit intellektueller Behinderung/ mit Lernbehinderung?

Diese Menschen leben mit ihrer Behinderung ihr ganzes Leben lang. In der Regel beginnt diese Beeinträchtigung mit der Geburt oder mit einer Entwicklung vor dem 18. Lebensjahr. Intellektuelle Behinderung beginnt also vor dem Erwachsenenalter.

In der Schulpädagogik werden die Begriffe Lernbehinderung oder Lernschwierigkeiten breiter verwendet und bezeichnen in der Regel keine Behinderung. Diese Verwendung in der Pädagogik meinen wir hier nicht!

Psychische Behinderung

Im Unterschied dazu ist eine psychische Behinderung eine psychische Störung, wie Neurose, die schon so chronisch ist, dass sie zu einer Be-hinderung, also zu einer Einschränkung im täglichen Leben, führt.

Es ist also ein ständiger Lebenszustand. Er ist charakterisiert durch unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten und deutliche Grenzen in kognitiven Möglichkeiten und adaptivem Verhalten. Dadurch können Menschen mit Lernschwierigkeiten /mit intellektueller Behinderung /mit Lernbehinderung vielleicht verminderte Fähigkeiten haben, neue oder komplizierte Zusammenhänge zu verstehen.

Oft haben sie Schwierigkeiten mit der Sprache oder mit ihren Bewegungen. Menschen mit Lernschwierigkeiten brauchen oft Unterstützung, wenn sie unabhängig leben wollen.

Trotz dieser Beeinträchtigungen haben Menschen mit Lernschwierigkeiten ein weites Feld von Fähigkeiten und Möglichkeiten. Es werden deshalb nicht sämtliche „geistige“ Bereiche, die das menschliche Leben kennzeichnen, etwa künstlerische, soziale oder berufliche Kompetenzen, als behindert bezeichnet.

Viele der Menschen mit Lernschwierigkeiten zeigen differenzierte geistige Interessen, die die Grundlage für ein aktives und gleichberechtigtes Leben in unserer Gesellschaft darstellen. Das ist der Grund, warum wir nicht länger von „geistiger Behinderung“ sprechen.